DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky · Andreas Kallen · Hans - Josef Leiting
Düsseldorf, den 20. Oktober 2008
Versagen die Eliten?
Teil 9
Die Mächtigen in Washington wollten mit ihrem herbstlichen 700 Milliarden US - Dollar Überraschungsei die Weltbörsen beeindrucken sowie gleichzeitig den Binnenmarkt der USA beruhigen.
Der Staat sollte nach den undifferenzierten Vorstellungen des Finanzministeriums durch den Aufkauf des Finanzschrotts der US - Banken, das von den Topbankern angerichtete Finanzdesaster wieder heilen. Dass dieser Plan von Finanzminister Paulsen weder durchdacht noch sachlich dem angerichteten Schaden gerecht wurde, bestätigten die Abgeordneten im amerikanischen Kongress postwendend.
Ohnehin ist der intransparente Aktionismus der US - Politiker nichts anderes, als eine überflüssige Megasubvention, da man ausschließlich oberfaule Kredite erwerben würde. Doch diese und andere Panikreaktionen in der US - Wirtschaft zeigen deutlich auf, dass es in fast allen Wirtschaftsbereichen in den USA an konsequenter Führung fehlt. So eine Entwicklung ist keinesfalls verwunderlich, denn seit mehr als drei Jahrzehnten werden Manager in den USA ausschließlich auf Teamleistung getrimmt. Möchte ein fähiger Manager einmal alleine Verantwortung übernehmen, wird er umgehend zurückgepfiffen und für seinen Vorstoß gemaßregelt. In einem solchen System des Wirtschaftsklimas werden an die Spitze von Entscheidungsteams meistens so genannte „Schwachmatiker“ gespült, die sich nach falsch getroffenen Entscheidungen oder Fehlentwicklungen hinter ihrem „Team“, hinter den „Beratern“ und hinter den Glasfassaden der Bürotürme verschanzen. Keiner möchte in einer solchen Situation die Verantwortung übernehmen.
Wo Führung und persönliche Autorität gefragt sind,
herrscht dann in den meisten Fällen nur das bloße Chaos.
Niemand sollte sich deshalb über unreife Teamleistungen beschweren, wie sie der Welt seit Wochen von US - Managern tagtäglich serviert werden. Auch sollte niemand darüber verwundert sein, dass deutsche und andere westeuropäische Bank- oder Wirtschaftsmanager vollkommen „systemgleich“ reagieren, denn viele von ihnen wurden in den USA ausgebildet und vorgeformt.
Das permanente Einschwören auf den so genannten
Teamgeist
sowie die Sanktionierung von Abweichlern, führte in eine wirtschaftliche Sackgasse der Entscheidungsarmut. Der stetige Niedergang ehemals sehr erfolgreicher deutscher Produktionsunternehmen oder Handelskonzerne, wie zum Beispiel Karstadt, Kaufhof und Mannesmann ist ein direkter Ausfluss mangelnder Fach- und Führungskompetenz.
Es funktioniert auf Dauer nicht ohne qualifizierte Führung, nicht in der notwendigen Kindererziehung und schon gar nicht in der Welt der Erwachsenen. Denn die Qualität sowie die Art und Weise wie geführt wird, bestimmen in direkter Abfolge die zu erzielenden Ergebnisse. Schon im Kindergarten lässt sich beobachten, dass die Gruppe von Kindern, die sich um eine Führungspersönlichkeit schart, als zusammengewürfelte Mannschaft mit gezielter Anweisung bessere Ergebnisse erzielen kann. Diese Entwicklung setzt sich über Schule, Universität und Berufsleben fort. Im Fußball zum Beispiel sind die Fans einer Mannschaft froh, wenn auf dem Rasen ein
Führungsspieler
steht. Oftmals gelingt es diesen Führungspersönlichkeiten, noch verloren geglaubte Spiele zu gewinnen. Sie erkennen die Zeichen der Situation und zugleich die ordnende Kraft der freizusetzenden Leistung. Overath, Netzer, Beckenbauer aber auch Effenberg waren solch begnadeten Spielerpersönlichkeiten in Deutschland, die in den meisten Fällen aber auch als unbequem galten.
Sich von lieb gewonnenen Gewohnheiten und Bequemlichkeiten des Denkens und Handelns zu trennen, erscheint vielen Bürgern nicht mehr möglich. Obwohl solche Prozesse direkt in eine selbstverschuldete Unmündigkeit führen, ist es ein langwieriger und schmerzlicher Weg, aus dem Labyrinth der Lethargie auszubrechen. Die wachsende politische Unart im Rahmen der Globalisierungsanhänger, Bildung und Ausbildung zu reduzieren und stattdessen größere Geldmittel viel lieber in Kriegsabenteuer zu stecken, fördert die Entwicklung von Führungsschwächlingen.
Maria Montessori und Rudolf Steiner,
der Gründer der Waldorfschulen, führten die ihnen anvertrauten Kinder zu einer individuellen Selbständigkeit und stellten das Primat der Persönlichkeitsbildung in den Fokus ihrer Lebenswerke.
Bildung braucht Führung und Führung braucht Bildung, denn wer führen möchte, sollte wissen, warum und vor allen Dingen wohin er Bürger führen kann.
Führungspersönlichkeiten
sollten ohne Umschweife begründen können, warum sie bestimmte Ziele verfolgen und mit welcher Nutzmehrung für den Einzelnen.
Führungspersönlichkeiten
sollten über charakterliche Stärken und ausreichende Erfahrung verfügen, um in kritischen Situationen, ruhig und analytisch an Problemlösungen heranzugehen.
Bereits an vielen deutschen Schulen erkennt man eine stetig abnehmende oder gar gänzlich fehlende Führungskultur. Die meisten engagierten Lehrer müssen täglich auf gezielte Führung verzichten. In einigen Fällen sind sogar die Schulleiter noch in der Lage die erbrachten Leistungen der ihnen anvertrauten Lehrer zu erkennen und anzuerkennen.
Vormachen, nachmachen und kontrollieren
sind vermutlich für viele Schulleiter zu gewaltige Anforderungen, denen sie nicht mehr gerecht werden können und die sie vermutlich völlig überfordern. Gemeinsam Ideen erarbeiten, Leistungen loben oder kritisieren sowie gesteckte Ziele erreichen erscheint für viele Schulleiter unnötig.
Die nun schon seit Jahren anhaltende deutsche Bildungskrise resultiert deshalb auch aus einem Mangel an konsequenter Führung. Kinder, die keine gezielte Führung erfahren, werden als Erwachsene nicht beurteilen können, welche Aufgaben gute Führungsarbeit zu leisten vermag.
Die gesunde Basis für Bildung und Führung muss in einer intakten Familienstruktur gelegt werden. Jedes Kind sollte in diesem Umfeld Charakter- und Herzensbildung erfahren und mit einer sachlich geprägten Führung die Grundlagen erlernen, damit es sich in einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft entfalten kann. Politiker, die das Gebilde einer intakten Familienstruktur zerstören wollen, verhindern dadurch vorsätzlich die nutzbringende und notendige Weiterentwicklung ihres Volkes.
Einige Berliner Politiker glauben, dass die ihnen auf Zeit verliehene Macht auch gleichzeitig das Recht beinhaltet, autoritär zu reagieren, wenn man ihnen die bedingungslose Gefolgschaft versagt. Immer häufiger berichten Bürger dem DRSB e.V., dass Amtsinhaber, Manager oder Politiker in Führungspositionen sich dazu verleiten lassen, ihr mangelndes Selbstwertgefühl durch ständige Demonstrationen ihrer Macht zu kompensieren. Auch wächst der Unmut in breiten Kreisen der deutschen Bevölkerung über neue Verordnungen und Gesetze, die sich spürbar gegen die Bürger richten. Einige DRSB - Leser mutmaßen sogar, dass sich die Mächtigen in Berlin am Volk rächen wollen, wofür auch immer.
Jahrhunderte lang wurden über die Adelsgeschlechter in West- und Osteuropa die Führungspositionen mit der Geburt vererbt. Die Geschichte zeigte jedoch, dass dieses Führungsmodell durch Geburt mit den wirtschaftlichen und industriellen Entwicklungen an Untauglichkeit zunahm und in den meisten westeuropäischen Nationen durch unterschiedliche Demokratiesysteme ersetzt werden musste. Aber die damalige Personifizierung der historischen Szenarien der Geschichte machte die Entwicklungen interessant, so dass auch heutzutage die demokratischen Wahlen zunehmend durch Personen und weniger durch Wahlprogramme geprägt werden. Dies gilt für die USA genauso wie für die meisten europäischen Demokratien.
Deshalb verbinden die Bürger den Erfolg oder Misserfolg von Nationen, aber auch von Industrie- und Handelsunternehmen mit den agierenden Personen an deren Spitze. Diese allgemeine Neigung zur Personalisierung weist eindeutig auf eine anthropologische Eigenheit hin, nämlich darauf, dass auch Menschen quasi wie Herdentiere agieren.
Bedingt durch den US - Finanzcrash erkennt die deutsche Wirtschaft, dass man mit und durch qualifizierte Führungspersönlichkeiten gutes Geld verdienen und dabei gleichzeitig die möglichen Verluste überschaubar gestalten kann. Von nur wenigen Ausnahmen abgesehen wird das amerikanische Wirtschafts- und Finanzdebakel ohne große Spuren zu hinterlassen an Deutschland vorbeiziehen. Die unnötigen Warnhinweise von Peer Steinbrück sind höchstwahrscheinlich auf seine Mitverantwortung bei der IKB und der KfW - Bank zurückzuführen. Möglicherweise möchte er sich auch schon für die anstehende Bundestagswahl profilieren.
Qualifizierte Führung
ist nicht nur in Krisenzeiten notwendig, setzt aber unabdingbar voraus, dass geeignete Menschen gezielt darauf vorbereitet werden.
Qualifizierte Führung
erfordert, wie vom DRSB e.V. in der Initiative 20 / 70 vorgestellt, eine sachlich fundierte Kultur des Führens.
Qualifizierte Führung
beginnt im Kindergarten und setzt sich über Schule bis hin zum Beruf fort.
sollte in Deutschland ins Grundgesetz einfließen und bei Fehlleistungen von Führungspersönlichkeiten strafrechtliche, zumindest aber zivilrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Nur dann ist gezielte Kontrolle möglich, die Rückmeldungen über ein fehlerhaftes Führungsverhalten zulässt. Denn ein führungsloser Staat oder auch ein Unternehmen reagiert sehr schnell kopflos, wie man zurzeit unschwer in den USA feststellen kann.
DRSB
Wir kämpfen seit 20 Jahren mit der Stimme der Demokratie
für
einen modernen Sozialstaat,
sichere, langfristige Arbeitsplätze,
sinnvolle, gerechte und lernfähige Rentensysteme,
sichere, gerechte und leistungsfähige Sozialsysteme,
und für
korruptionsfreie Demokratie in Deutschland und der EU.