DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky · Andreas Kallen · Hans - Josef Leiting
Düsseldorf, den 26. November 2008
Leserbriefe von DRSB - Lesern
Die Leserbriefe wurden nach Themengebiete aufgeteilt und nach einem Zufallsgenerator ausgewählt.
Der DRSB e.V. versichert allen Lesern, dass der Wunsch nach Anonymität respektiert und gewahrt bleibt.
An dieser Stelle weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass die nachfolgenden Leserzuschriften vom DRSB e.V. nicht auf Wahrheit oder juristische Wahrhaftigkeit geprüft wurden und insofern ausschließlich die Meinungen der jeweiligen Autoren darstellen.
1. Leserbrief / anonymisiert
Herrn
Udo Johann Piasetzky
Vorstandsvorsitzender
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Ikenstraße 8
40625 Düsseldorf
XXXXXXXX, den 17. November 2008
Merkels Unglaubwürdigkeit und Steinbrück´s blinder Aktivismus
Sehr geehrter Herr Piasetzky,
seit Helmut Kohl und Norbert Blüm hat sich das Verkündigungsritual in unserem Land wesentlich verändert. Sah der Pfälzer im Osten noch blühende Landschaften und waren bei Norbert Blüm noch alle Renten sicher, so sind bei Angela Merkel zurzeit nur die Spareinlagen sicher. Kohl oder Merkel, diese Verkündigungsrituale erinnern sehr stark an Norbert Blüm. Dass die Deutschen ihr Geld zusammen halten können, haben sie jederzeit bewiesen. Weil nun die deutsche Automobilindustrie die selbst verkündeten Verkaufszahlen für dieses Jahr leicht verfehlen wird, soll nun der Bürger an seine Ersparnisse ran und kräftig wieder neue Autos kaufen.
Versüßt mit einer „kleinen“ Steuerersparnis will Angela Merkel und ihr Adjutant Steinbrück Kaufanreize setzen. Unterstellt einmal, dadurch würden eine Million neue Fahrzeuge gekauft, die wiederum eine Steuerersparnis von 600,00 Euro auslösen würde, so hätten die Bundesländer mit Steuerausfällen von 600 Millionen Euro zu rechnen.
„Peanuts“,
wenn man bedenkt, dass die deutsche Automobilindustrie mit der Summe von
40 Milliarden Euro
unterstützt werden soll.
Für das reale Wirtschaftsleben scheinen sich weder Angela Merkel noch Peer Steinbrück zu interessieren. Wäre es anders, brauchten sie sich nicht zu wundern, dass die Bürger nicht in wilden Scharen in die Autohäuser stürmen. 100,00 Euro, 200,00 Euro oder sogar 500,00 Euro Steuerersparnis bringen keinen Familienvater dazu, einen Mittelklassewagen für durchschnittlich 35.000,00 Euro zu kaufen oder zu finanzieren.
Überspitzt formuliert erhält man doch heute beim Betreten eines Autohauses bereits einen
„Begrüßungsbonus“
in mehrfacher Höhe der in Aussicht gestellten merkelschen Steuerersparnis.
Die erneute Zockerei um Milliarden - Spritzen für die Autokonzerne zeigt doch nur wieder auf, das Scheingeschäfte und Scheinargumentationen zum Erfolg führen. Mit Spekulationen, Großspurigkeit und Gier führt dieses Szenario endgültig zu Milliarden staatlicher Verluste, die hauptsächlich durch die „kleinen“ Bürger zu tragen sind.
Statt mit Kreativität und Ideenreichtum die reale Wirtschaft und den Mittelstand vernünftig zu unterstützen, werden mit der Hilfe staatlicher Förderprogramme Steuergelder in Managerträume und Managergier von riesigen Konzernen versenkt.
Warnungen werden eigentlich - wie immer - in den Wind geblasen.
Die Bundesregierung wäre besser beraten, Ruhe und Überblick zu bewahren und die bewährte Pendlerpauschale wieder einzuführen. Die Bürger werden durch die unsinnigen Subventionsvorschläge für die Autokonzerne verunsichert und wissen bereits, dass sie für steinbrücksche „Morgengaben“ mit weiteren Steuererhöhungen bestraft werden.
Das Merkel - Steinbrück - Programm dagegen wirkt irgendwie schräg und völlig daneben. Durch solche Verkündigungsrituale verliert die erste deutsche Kanzlerin und der neoliberale Scheinsozialist Steinbrück noch mehr an Glaubwürdigkeit.
Leider werden diese Steuervernichtungsarien von allen Medien mitgetragen und verstärkt, bis in Deutschland der Wohlstand für die meisten Bürger zu Grabe getragen werden muss.
Dann hat niemand mehr Geld zum Kauf einer Zeitung oder zum Fernsehgucken.
Selbstbeweihräucherung und Ignoranz von Merkel und Steinbrück gefährden den sozialen Frieden in unserem Land.
Wäre da nicht ein baldiger Wechsel angesagt?
Mit freundlichen Grüssen aus XXXXXXXXX
DER VERFASSER
2. Leserbrief / anonymisiert
Herrn
Udo Johann Piasetzky
Präsident des DRSB e.V.
Ikenstraße 8
40625 Düsseldorf
XXXXXXXX, den 03. November 2008
Sehr geehrter Herr Piasetzky,
als ehemaliges Vorstandsmitglied in der europäischen Assekuranz schätze ich noch heute Ihr offenes Wesen und Ihre Gradlinigkeit. Ab 2006 lese ich regelmäßig Ihre Kolumnen auf der Seite des Deutschen Rentenschutzbundes. Sie greifen Themen auf, die für Versicherungskunden und Versicherungsvermittler gleichermaßen von Interesse sein dürften. Dabei ist Ihnen Ihr strategisches Denkvermögen wie auch Ihr analytisches Vorgehen behilflich, wenn sie die richtigen Ansätze finden, die wirtschaftlichen Zusammenhänge transparent zu gestalten.
Vermutlich ist dies gerade der richtige Ansatzpunkt den Menschen verständlich zu machen, wie das Finanzsystem, deutsche Versicherungswirtschaft und knappes Geld funktionieren. Überhaupt scheint zurzeit guter Rat sehr teuer zu sein. Denn neben den brisanten Themen Gesundheitsreform, Dokumentationspflicht, VVG - Reform werden viele Außendienstmitarbeiter auf die anhaltende Finanzkrise angesprochen. Die aktuellen Geschehnisse berühren die Menschen im Lande, die um ihre Ersparnisse fürchten. Da hilft es der Branche nicht weiter, auf zertifizierte Weiterbildung zu setzen, denn die Krise der deutschen und europäischen Versicherer fängt erst jetzt richtig an.
Bereits in den nächsten Tagen müssen die Verantwortlichen der Allianz bekannt geben, dass in nur einem einzigen Quartal 2008 ein Minus von 2 Milliarden Euro aufgelaufen ist. Ein solcher Vorgang ist bis zum heutigen Tag für eine deutsche Gesellschaft beispiellos.
Bisher galt das Katastrophenjahr 2002 als das furchtbarste Jahr der Konzerngeschichte. Sie erinnern sich womöglich noch daran, dass damals die Vorstände einen Jahresverlust
von rund 1,2 Milliarden Euro vermeldeten, nachdem die Internetblasen wie Seifenblasen wegplatzten. Die amerikanische Finanz - Krisenwelle erreicht nun mit ungeheuerlicher Gewalt den westeuropäischen Kontinent und wird auch andere Versicherer voll erfassen.
Als 1958 der Werbeslogan
„Hoffentlich Allianz versichert“
zum ersten Mal das Tageslicht erblickte, machte ihn seine einfache Form über 50 Jahre hinaus erfolgreich, so dass er zu keiner Zeit aus dem Werbeprogramm genommen wurde. Der Name Allianz stand für Vertrauen, Wahrheit, Solidität und sichere Geldanlage. Die gesamte deutsche Assekuranz partizipierte auch in Phasen der Rezession gemeinsam von diesem einmaligen Werbeslogan.
Anscheinend war offenbar nicht viel mehr nötig, um das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Dass es jetzt ausgerechnet den Leitwolf der Branche erwischt hat, ist für die meisten Manager in der Assekuranz noch nicht zu glauben. Ganz plötzlich bekommt der bewehrte Allianzslogan einen völlig zynischen Unterton. Bekannte kolportieren bereits eine miese Abwandlung:
„Hoffentlich nicht Allianz versichert“
und lösen bedingt dadurch eine Welle der Unsicherheit aus. Denn in der Tat sind weitere hohe Verluste zu erwarten. Aktiendepots und vor allem festverzinsliche Papiere dürften an Wert verlieren, so dass man mit langfristigen Anleihen kaum noch Gewinne machen kann. Das wahre Gesicht der Finanzkrise zeigt sich nun und wird noch den einen oder anderen Versicherungsvorstand zum Buhmann der Branche stempeln.
Abgestempelt als Vielverdiener oder Giermichel rücken diese Manager unmerklich ins Epizentrum der Ablehnung und werden zu angreifbaren Hassfiguren. Ich erinnere mich noch sehr genau an unser Gespräch im Herbst 1996, indem sie mich eindringlich vor den kommenden Scheinerfolgen der Investmentbanker warnten. Damals dachte ich noch, dass Sie mit den Darstellungen der Hasardspiele und den riskanten Wettgeschäften ein wenig zu schwarz gemalt hätten. Heute weis ich, dass Ihre visionären Befürchtungen von durchdrehenden Investment - Gurus eine brillante Analyse der kommenden Ereignisse war. Diese Haltung brachte Ihnen, mein lieber Herr Piasetzky, von allen Seiten damals ablehnende Empörung ein, so dass man Ihnen völlig zu Unrecht die kalte Schulter zeigte. Denn die Krise um die Jahrtausendwende, wie auch das aktuelle Szenario bestätigen Ihren Kurs, den Sie als Unternehmensberater bis heute fahren. Nicht zu Unrecht bezeichnet Sie deshalb mein Kollege Edgar Janott als „Höllenhund“. Auch Ihren Prognosen zu zukünftigen Vertriebs- und Geschäftmodellen stimme ich heute uneingeschränkt zu. Selbstbewusst wie immer, stehen Sie auch in den DRSB - Kolumnen zu Ihrer Meinung, obwohl ich mit einem Augenzwinkern feststelle, dass Sie in Punkto der Strukturvertriebe vom Saulus zum Paulus konvertiert sind.
Bessersein war Ihre Maxime, wenn Sie in Ihrer feurigen Art von der Qualität der Kerngeschäfte sprachen.
Die Entwicklung zeigt, dass Sie auch hier richtig lagen und die Märkte einzuschätzen wussten. Als Zahlenmensch verfügen Sie über Visionen und gestaltende Phantasie.
Wie beurteilen Sie die Lage der deutschen Assekuranz?
Haben uns die Finanzjongleure an den Abgrund gebracht?
Ich freue mich schon heute auf Ihr Antwortschreiben. Gerne dürfen Sie meine Zeilen veröffentlichen. Bitte beachten Sie jedoch meine Diskretionsbitte.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr
VERFASSER
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