DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky • Heinrich Sternemann • Hans - Josef Leiting
Düsseldorf, den 09. Januar 2010
Todesurteil für den AWD
oder
Standing Ovations für Maschmeyer?
Wie lange noch beklatschen die Betroffenen ihren Weg in die Armut?
Nachdem Carsten Maschmeyer seine Anteile am Strukturvertrieb AWD scheibchenweise an den Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life verkauft hatte und lediglich noch in dessen Verwaltungsrat sitzt, geht es mit dem Strukturvertrieb aus Hannover steil abwärts.
Mit Carsten Maschmeyer fehlt die vermeintliche
„Lichtfigur“
als oft beschworene Klammer für Organisations- und Vertriebserfolge.
Die täglich anwachsende Zahl der frustrierten AWDler schiebt ohnehin den Managern von Swiss Life die Schuld dafür in die Schuhe, dass zurzeit die durchschlagenden Organisations- und Vertriebserfolge ausbleiben.
Und damit auch der erhoffte
„Geldsegen“,
von dem noch immer einige Leichtgläubige beim AWD träumen.
Man kann die ehemalige Lichtfigur des AWD sehen wie man will, doch Carsten Maschmeyer war stets für Überraschungen gut.
Im Jahr 2008 holte Carsten Maschmeyer den heute 66 - jährigen Hans - Adalbert Rürup zum AWD und verlieh ihm den Titel
„Chefökonom“.
Bekanntlich wurde Hans - Adalbert Rürup den Hannoveranern und Schweizern offenbar zu teuer, so dass man wieder getrennte Wege geht.
Wer den Ex - AWD Mentor Maschmeyer zum ersten Mal auf der Vertriebsbühne erlebt, empfindet seine charismatische Begeisterungsfähigkeit durchaus als ansteckend.
Mit fortschreitender Zeit relativiert sich dieser erste Eindruck und schlägt sogar sehr häufig in massive Kritik um.
Besonders immer dann, wenn die gemachten Versprechungen nicht eintreffen oder Zusagen völlig vergessen wurden.
Mit geschätzten 580 Millionen Euro auf der hohen Kante kann Carsten Maschmeyer aber seinen Kritikern gelassen ins Auge sehen.
Vor Weihnachten 2009 überraschte der Ex - AWDler Maschmeyer erneut Freunde wie Feinde mit der Ankündigung, im Januar 2010 gemeinsam mit Hans - Adalbert Rürup ein Beratungsunternehmen zu gründen.
Die sogenannte
Maschmeyer - Rürup AG
beabsichtigt Banken, Versicherungen und ausländische Regierungen in Sachen Alters- und Gesundheitsvorsorge zu beraten.
An den Wirtschaftsstandorten
Berlin, Frankfurt und Hannover
möchte man mit 12 Mitarbeitern die Beratungsoffensive starten. Ganz im Protzstil alter Tage verkündet Maschmeyer, dass er die ersten Kunden bereits gefunden haben will.
Doch wer möchte das veraltete und
überkommene Know - How von Maschmeyer teuer bezahlen?
Was wollen Banken oder Versicherungen
mit dem dreizehnten Aufguss des Know - How von der IOS?
Wieviel Lehrgeld wollen
Banken oder Versicherungskonzerne denn noch bezahlen?
Selbst der IOS - Gründer Bernard [ Bernie ] Cornfeld würde heutzutage auf wesentlich kostengünstigere Vertriebsformen zurückgreifen.
Und über die untauglichen Riester- und Rürupmodelle ist weiß Gott genug Aufklärendes
[ IMK - Studie / Wirtschaftschädlichkeit etc. ] geschrieben worden.
Welcher Staat will jetzt noch durch
untaugliche Rentenmodelle seine Bürger ins Unglück stürzen?
Rein vorsorglich betont Maschmeyer, dass es einen Interessenkonflikt zwischen dem Strukturvertrieb AWD und der Beraterfirma Maschmeyer - Rürup nicht geben könnte.
Da klingelt es in den Ohren derjenigen, die Carsten Maschmeyer noch als Landesdirektor der OVB in Hannover kannten. Damals, nachdem ihm der verstorbene OVB - Gründer
Otto Wittschier
mit einer dicken Abfindung vor die Tür setzen ließ, betonte der Geschasste vollmundig, dass es zwischen ihm und der OVB keinerlei Konflikte geben werde.
Gab es damals auch nicht, denn die Speerspitze für das Auffangbecken von abtrünnigen OVBlern spielte der loyale Kollege von Maschmeyer
Jörg Jacob
[ heute Vorstandsmitglied der FORMAXX Aktiengesellschaft ]
aus Frankfurt.
Als sich der Pulverdampf der juristischen Gefechte zwischen der OVB und Maschmeyer gelegt hatte, gründete sein damaliger Schwager in Spe, Kai Lange, den AWD in Hannover und integrierte Schritt für Schritt die überlaufenden OVB - Vertriebstruppen, obwohl vor dem Haus von Maschmeyer sich die OVB - Detektive die Klinke in die Hand gaben und fleißig Fotos von allen Besuchern schossen.
Auch damals lautete das Maschmeyer - Credo:
„Ich vertreibe keine Finanzprodukte
und meine Geschäftsfelder sind demnächst völlig anders“.
Stimmte nicht!
Denn als die diplomatischen Anwälte von Maschmeyer mit der OVB die Gefechte zur Einstellung brachten, kehrte Maschmeyer mit dem Zug quasi wie ein Triumphator nach Hannover zurück und übernahm auf der Stelle die Führung und die Mehrheit der Anteile vom AWD.
Kai Lange
[ AWD - Gründer / Ex - HMI Chef und heute Vorstandsmitglied der FORMAXX AG ]
hatte von diesem Moment an lediglich eine Minderheitsbeteiligung von 10%.
Mit tränenerstickter Stimme versprach Maschmeyer seinen treuen Vasallen, dass er alles, was die „böse“ OVB falsch gemacht hat, besser machen wollte.
Bereits anderthalb Jahre später musste auf Vermittlung eines Unternehmensberaters das Rechenzentrum der OVB das Abrechnungschaos beim AWD beseitigen helfen.
Und die AWD - Vertriebsmaschenerie wurde von Jahr zu Jahr teurer und ineffizienter. Lange Zeit konnte Carsten Maschmeyer als vermeintliche
„Lichtfigur“
aufkommende Problemzonen mit wechselnden Überraschungen überspielen. Wann immer es im Gebälk knirschte, preschte Maschmeyer vor und verkündete Erstaunliches.
In vielen Fällen trafen die Aussagen und Prognosen aber nicht ein. Glaubt man den Medienberichten, so möchte der 50-jährige Maschmeyer seinen Posten bei Swiss Life behalten und auch weiterhin die
„Lichtfigur“
beim AWD sein, um dort Kraft gebende Referate zu halten. Angeblich hatte Maschmeyer
die Idee zu einer eigenen Beraterfirma schon seit langem.
Stimmt!
Genau genommen seit 1991, als er über die Gefahren des Strukturvertriebes nach dem AWD - Muster aufgeklärt werden musste.
Denn nicht erst seit dem Urteil des Oberlandesgerichts Celle mit dem Aktenzeichen
11 U 51 / 09
ist Maschmeyer bekannt, dass die Kosten für die Ausübung der freiberuflichen Tätigkeit beim AWD, wie zum Beispiel
Werbemittel, Vertriebsunterlagen, Planungs- und Repräsentationsunterlagen, Schreibutensilien sowie die Kosten für Fortbildungs- und Weiterbildungsveranstaltungen
nur mit erheblichen Einschränkungen den Freiberuflern in Rechnung gestellt werden können.
Nun geht der Krug bekanntlich so lange zum Brunnen bis er bricht. Und genau so etwas könnte das Urteil aus Celle bewirken.
Zwar war die Revision zuzulassen, weil die Voraussetzungen des § 543 Abs. 2 ZPO vorlagen und die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat, da sich die klärungsbedürftige Auslegung des § 86 a HGB auf eine Vielzahl von Fällen auswirkt.
Doch wenn das Urteil Rechtkraft erlangt, ja dann könnte es quasi wie ein
Todesurteil für den AWD
und für alle anderen Strukturvertriebe wirken.
Kaum jemand in der Strukturvertriebsszene glaubt daran, dass mögliche Rückzahlungsansprüche der Geschädigten in mehrfacher Millionenhöhe völlig klaglos von der Swiss Life beglichen werden können.
Für die Schweizer scheint es zurzeit offenbar noch kein Problem zu sein, denn in einer ersten Pressemitteilung wünschte der Präsident des Swiss - Life - Verwaltungsrates, Rolf Dörig, der neuen Unternehmensberatung
Maschmeyer - Rürup AG
viel Erfolg. Möglicherweise lediglich ein diplomatischer Akt der Höflichkeit, denn vermutlich werden schon recht bald hoffnungsfrohe Manager von Banken bei Carsten Maschmeyer an die Tür klopfen und um Beratung bitten.
Insider wissen natürlich, was in einem solchen Fall mit dem Begriff
„Beratung“
gemeint sein könnte.
Man möchte fertige Vertriebsstrukturen zum Schnäppchenpreis bekommen, die sofort größere Antragsstückzahlen „schreiben“ können.
Und was der Wechsel von Vertriebsstrukturen in andere Geschäftsbereiche für die Swiss Life bedeuten kann, haben vor den Schweizern bereits diverse deutsche und europäische Versicherer über sich ergehen lassen müssen:
Stornowelle auf Stornowelle.
Die Zeit ist schon lange reif für solche fragwürdigen Transaktionen, denn sehr viele AWDler laufen seit Monaten finanziell „trocken“ und würden sich über neue so genannte
„Anschubfinanzierungen“
mit „frischem Geld“ freuen.
Statt Versicherungen von Swiss Life werden dann höchstwahrscheinlich mit blumigen Worten Anlagemodelle von Banken angeboten.
Spätestens
dann wird sich an der freundschaftlichen und geschäftlichen Verbundenheit mit der Swiss Life alles sofort ändern.
Spätestens
dann wird der Präsident des Swiss - Life - Verwaltungsrates, Rolf Dörig, zum Handeln gezwungen sein.
Spätestens
dann wird das große Zittern auch bei anderen Strukturvertrieben beginnen, denn mit „frischem Geld“ im Rücken und einer zu erwartenden medialen Unterstützung wird die Strahlkraft von Maschmeyer wieder an Zugkraft gewinnen.
Spätestens
mit dem Eintritt von Walter Riester [ SPD ] in das Trio wird den Managern in der Versicherungswirtschaft schlagartig klar, welches Spiel gespielt werden soll.
Was die angebliche Aussage von Maschmeyer
„Wir sind einzigartig“
bedeutet, wissen die Protagonisten der europäischen Assekuranz spätestens am
01. Januar 2011.
Denn Selbstzweifel oder irgendwelche Skrupel kennt ein Carsten Maschmeyer wahrscheinlich nicht und verweist gerne auf seinen hilfsreichen großen Freundschaftskreis, zu dem auch
Gerhard Schröder [ SPD ] und Christian Wulff [ CDU ]
zu gehören scheinen.
Für die betroffenen Mitarbeiter und wahrscheinlich für den Großteil der Kunden von Maschmeyer könnten die zu erwartenden Transfers den direkten Weg in die Armut öffnen.
Erfahrungsgemäß werden in der ersten Euphoriephase sehr viele Ahnungslose und Leichtgläubige die „neuen“ Aktivitäten von
Carsten Maschmeyer
frenetisch beklatschen, doch die Frage stellt sich schon jetzt:
Wie lange noch?
DRSB
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