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Solvency II

Wie nah ist das Ende der
deutschen Kranken - und Lebensversicherer?

04. April 2011

 

Als am 10. Juni 2007 die Europäische Kommission einen Vorschlag für eine

Solvency II - Rahmenrichtlinie

dem Europäischen Parlament und Rat vorlegte, da war das ein Riesenschritt auf dem Weg zur Absicherung für allen Kunden. Am 22. April 2009 wurde Solvency II vom EU - Parlament und knapp sieben Monate später, am 10. November 2009, von den EU -Finanzministern verabschiedet. Entsprechenden der Durchführungsbestimmungen wird Solvency II wahrscheinlich erst ab dem 01. Quartal 2013 national umgesetzt werden können.

Solvency II

wurde notwendig, weil es der gesamten Branche seit Jahren an finanzieller Stabilität fehlt. Die grundlegende Reform des Versicherungsaufsichtsrechts in Europa, vor allem aber der Solvabilitätsvorschriften für die Eigenmittelausstattung von Versicherungsunternehmen, soll diese nachteilige Entwicklung zum Stoppen bringen. Zu risikoreiche Kapitalengagements, zu hohe Vertriebskosten und ein obsoletes Produktangebot haben zu einer Schieflage geführt, die nicht nur für kleinere Gesellschaften, die schwerpunktmäßig Kranken- und Lebensversicherungen anbieten, das plötzliche Aus bedeuten könnten. Denn die neuen EU - Eigenkapitalregeln Solvency II erfordern Milliarden Euro an zusätzlichem Kapital.

Milliarden Euro,

die die meisten Versicherer nicht haben oder besser gesagt nicht mehr haben. Zügelloser Strukturvertriebsaufbau, sinkende Zinsmargen und Missmanagement haben die einstige deutsche

Vorzeige - Branche

an den Rand des Ruins gebracht. Bereits im September 2007, nach grober Durchleuchtung der Eckpunkte, hat der DRSB das Sterben der Branche befürchtet. Gemäß aller aktuellen Studien zum Thema

Solvency II

sind die Existenz jedes zweiten deutschen Lebensversicherers sowie auch die private Krankenversicherung bedroht. Höchstwahrscheinlich wäre es auf Grund des hohen Kostenblocks besser, die am schwersten bedrohten Versicherer sofort abzuwickeln und dadurch den Schaden für die Versichertengemeinde so gering wie möglich zu halten. Denn nach dem heutigen Stand des EU - Regelwerks, das 2013 eingeführt werden soll, fehlen in unserer Heimat den Lebensversicherern satte

19,2 Milliarden Euro,

die man zur kurzfristigen Stabilisierung benötigt. Da hilft kein Schönreden mehr, denn das Geld ist nicht vorhanden. Nun rächen sich die fatalen Anlageausflüge und Investitionen in wackelige Staatsanleihen. Und nun wird auch sichtbar, warum so viele Rettungsschirme für europäische Staaten gebraucht werden. Die meisten Versicherer sind zu einseitig in wertlose Zinstitel investiert und haben eine miserabel verteilte Anlagestruktur. Deshalb laufen die Lobbyisten der deutschen Versicherungswirtschaft in Berlin und Brüssel den Politikern die „Bude“ ein, damit die Regeln noch vor der Einführung geändert und wesentlich „abgemildert“ werden. Das Ziel ist klar: Man möchte das jahrzehntelange Versagen der Top - Manager vertuschen und verschleiern sowie die Kosten für die notwendige Restrukturierung den Kunden und Steuerzahlern aufdrücken. Seit der Einführung der untauglichen Riesterrente ist das ehemals lukrative Geschäftsmodell

Lebensversicherung

unrentabel und für die Altersvorsorge von zukünftigen Rentenbeziehern völlig unattraktiv. Die LV - Stornoquote im Jahr 2010 lag mit rund 6% schon um 0,5 Prozentpunkte über der von 2009. Gleichzeitig belasteten die Vertriebsaktivitäten die Versicherer bis zu 15% der Beiträge. Der Kollaps war aber schon vor circa 16 Jahren vorprogrammiert, als man blindlings an die Heilkräfte des Strukturvertriebs glaubte und ahnungslos in dem sogenannten neuen Markt Milliarden Euro versenkte, sodass man bilanztechnisch nur durch den § 341b HGB das rettende Ufer erreichen konnte. Nun ist das Finanzgebäude der Kranken- und Lebensversicherer schon so wackelig geworden, das die sinnvollen Vorschriften Solvency II für die Risikosituation der Kranken- und Lebensversicherer zum Prüfstein des Überlebens werden kann. Solvency II destabilisiert zunächst mehr, als es stabilisieren hilft, denn auch den privaten Krankenversicherern fehlen gemäß der Solvency - Regeln geschätzte

6 bis 7 Milliarden Euro

in der Kasse. Lediglich die sogenannten

Sachversicherungskonzerne
[ Versicherungssparten: Gebäude / Hausrat / Haftpflicht / Auto / Geschäft / Industrie ]

verfügen über ein starkes Finanzpolster von rund

33 Milliarden Euro

an überschüssigen nichtverbrauchten Eigenmitteln. Von je her wirtschaftete man dort stets risikoärmer und kann gelassen auf die Einführung von Solvency II warten. Für größere Versicherungskonzerne, die Sach und Personenversicherungen [ Kranken / LV ] anbieten, ist das Problem zwar hart aber relativ gesehen nicht existenzbedrohend.
Dagegen hat der Überlebenskampf für kleinere Versicherer, die schwerpunktmäßig das Kranken- oder Lebensversicherungsgeschäft betreiben, begonnen.
Höchst gefährlich wird die Situation für alle sogenannten Versicherungsvereine, die sich auf dem freien Kapitalmarkt nur sehr schwer frisches Geld besorgen können. Denn diese Gesellschaftsform kann keine zusätzlichen Aktienpakete auflegen, um an das Geld der Anleger zu kommen.
Besonders im Bereich der privaten Krankenversicherungsanbieter werden vermutlich die Veränderungen durch Solvency II zum raschen Ende der Marktteilnahme führen können.

Stand: 04.04.2011

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