DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky • Heinrich Sternemann • Hans - Josef Leiting
Düsseldorf, den 08. Juni 2009
Sauberes Wasser:
Kostbar gewordenes Gut und politisches Kampfmittel
Der britische Wissenschaftler John Anthony Allan wurde 2008 als Erfinder des
Virtuellen Wassers
mit dem Stockholmer Wasserpreis ausgezeichnet.
Wie die schwedische Jury mitteilte, habe der Experte eine entscheidende Pionierarbeit zum Verständnis der wasserrelevanten Themen geleistet. Allan entwickelte mit seinem Konzept ein Modell zur Berechnung für die benötigten Mengen der weltweit immer knapper werdenden Ressource.
Laut John Anthony Allan verkonsumiert ein US - Bürger unter Einbeziehung seines Rechenmodells pro Tag
6000 Liter virtuelles Wasser.
Allan ermittelte, dass zum Beispiel in jeder Tasse Kaffee 140 Liter virtuelles Wasser enthalten sind, das für Wachstum, Herstellung, Verpackung und Versand der Bohnen eingesetzt worden ist.
Ein ganz normaler Fleisch - Hamburger von McDonalds oder Burger King enthält nach Allans Rechenmodell die unglaubliche Menge von 2400 Liter virtuellen Wassers.
Wasser
ist nun einmal der wichtigste Überlebensstoff, den jeder Mensch täglich benötigt.
Dieselbe Menge Wasser, die ein Mensch täglich aufnimmt, gibt er auch wieder ab.
Bei einer täglichen Zufuhr von 2,5 Liter Wasser werden 1,5 Liter über den Urin, 0,1 Liter mit dem Stuhl und 0,9 Liter mit der Atmung und über das Schwitzen abgeschieden.
Beim stärkeren Schwitzen können bis zu 1,5 Liter Wasser pro Stunde verloren werden. In tropischen Ländern benötigen die Menschen deshalb bis zu zehnmal mehr Wasser als in Deutschland.
Durch diese Flüssigkeitsverluste kann die Blutmenge um 25% bis 40% und in Extremfällen bis zu 60% vermindert werden.
Das dicke und zähflüssige Blut kann vom Herzen nicht mehr schnell genug durch die Adern gepumpt werden. Nur noch ein Viertel der normalen Blutmenge wird dann pro Minute durch das Herz gepumpt.
Gleichzeitig werden dadurch erhebliche Mengen an Kohlendioxid freigesetzt, das mit verstärkter Atmung ausgeatmet werden muss.
Bereits bei Flüssigkeitsverlusten zwischen 15% und 20% des Körpergewichts ist der Kreislauf nicht mehr in der Lage, den Herzmuskel ausreichend zu versorgen.
Es kommt zum Tod durch Kreislaufversagen. Schon vorher aber wird das gegen Sauerstoffmangel sehr empfindliche Gehirn dauerhaft geschädigt.
Weltweit stirbt deshalb alle 15 Sekunden
ein Kind
wegen Wassermangels oder fehlender sanitärer Einrichtungen.
Wie das UN - Kinderhilfswerk
UNICEF
regelmäßig mitteilt, leiden rund 400 Millionen Kinder unter einer völlig ungenügenden Wasserversorgung.
Durchfall ist infolge der schlechten Hygieneverhältnisse die häufigste Krankheit. Viele Kinder sind so geschwächt oder beeinträchtigt, dass sie nicht mehr zur Schule gehen können.
Wegen mangelnder Bildung gelingt es den Kindern nicht, sich aus dem Elend zu befreien.
Deshalb forderte der DRSB e.V. schon seit seiner Gründung:
Sauberes Wasser
darf nicht länger ein unerreichbarer Luxus für die Armen sein.
Viele Menschen müssen noch immer täglich stundenlange Fußmärsche auf sich nehmen, um in Kanistern, Eimern oder Krügen Wasser zu beschaffen.
Auch gibt es viele Schulen, die keine getrennten sanitären Einrichtungen haben, so dass gerade in Entwicklungsländern Mädchen oftmals nicht mehr zum Unterricht erscheinen.
Nahezu die Hälfte der Menschheit muss ohne Latrinen und Abwasserentsorgung auskommen und jeder sechste Erdbewohner hat bis heute keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Bereits heute leidet jeder dritte Bewohner der Erde laut einer internationalen Studie unter Wassermangel.
Wasserknappheit ist allerdings nicht immer nur ein Problem des Vorhandenseins oder der Verteilung, sondern Wasser wird sehr häufig als wirtschaftliches oder politisches Druckmittel eingesetzt.
Angesichts des sehr hohen Energiebedarfs forschen israelische Wissenschaftler um
Professor
Aharon Roy
von der Ben - Gurion-Universität zusammen mit deutschen Wissenschaftlern vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt daran, die Sonnenenergie heranzuziehen, um Trinkwasser für Israel zu gewinnen.
Solarenergie zur Entsalzung
zu integrieren, ist das Hauptziel der Wissenschaftler.
Dadurch kann man die Energie - Effizienz steigern und die Kosten drastisch senken.
In Ashkelon bauten die Israelis die modernste Meerwasser - Entsalzungsanlage des Nahen Ostens.
Diese innovative Anlage produziert bis zu 100 Millionen Kubikmeter Trinkwasser im Jahr. Diese Menge entspricht circa 15% des gesamten Trinkwasserverbrauchs von Israel.
Diese Meerwasser - Entsalzungsanlage macht die Israelis von Regen- und Grundwasser unabhängiger und stellt zusätzlich zu den anderen Quellen die Versorgung der Bevölkerung sicher.
Auch aus der Negev - Wüste soll ein Teil der Lösung für Israels Trinkwasserprobleme kommen, denn dort gibt es auch Wasser im Überfluss.
Von dem
kostbaren Nass
gibt es dort soviel, dass man dort sogar Zier- und Speisefische züchtet. Das tief unter der Wüste liegende geothermische Wasser wird wirtschaftlich nutzbar gemacht.
Experten schätzen, dass die fossilen, rund 40 Grad warmen Vorräte für mehr als 100 Jahre ausreichen könnten.
Jährlich produziert Israel bereits 20 Millionen Tonnen Fisch.
Für den Verzehr sind die Barschart Baramundi, Karpfen sowie Petersfisch für den israelischen Markt geeignet.
Die ebenfalls gezüchteten Zierfische hingegen werden fast ausschließlich ins Ausland exportiert.
Die gezüchteten Fische brauchen täglich klares frisches Wasser und gute Nahrung. Für die Israelis ein hervorragendes Geschäft, selbst wenn die schlimmste Trockenheit die Trinkwasserversorgung in Israel bedroht, wie zum Beispiel im Sommer 2008.
Wer so viel Trinkwasser produziert,
dass er in der Wüste Fische züchten kann,
sollte keinen Menschen dürsten lassen.
Doch im besetzten Westjordanland geben die Israelis nur eine Stunde am Tag die Wasserleitungen frei. Obwohl in den Gärten der Kibbuzim nebenan das Wasser nur so sprudelt, ist in den palästinensischen Siedlungen Trinkwasser absolute Mangelware.
Bereits im so genannten Sechs - Tage - Krieg im Jahr 1967 eroberten die Israelis nicht nur das Westjordanland, sondern auch alle unterirdischen Wasservorräte und Flüsse. Während am Toten Meer und am Rande der Wüste israelische Hotelanlagen mit großzügigen Swimmingpools entstehen, warten die gepeinigten
Palästinenser
täglich auf Zisternenwagen, die ihnen das tägliche Frischwasser nur gegen Bargeld verkaufen.
Die meisten Menschen können sich nicht einmal täglich richtig waschen.
Körperpflege wird durch die Wasserknappheit zum Luxus. Besonders kleine Kinder leiden unter der mangelnden Hygiene.
Trinkwasser ist im Nahostkonflikt durch Israel zum politischen Kampfmittel mutiert und zeigt vermutlich auf, wie sehr den Israelis tatsächlich daran gelegen ist, eine friedliche Lösung zu finden.
Gemäßigte israelische Politiker warnen deshalb vor den verhängnisvollen Folgen dieser menschenunwürdigen Verteilungspolitik. Denn von den zwei Milliarden Kubikmetern Wasser, die Israel jährlich verbraucht, stammt nur ein gutes Drittel aus dem eigenen Territorium.
Die UNO hat sich das unglaubliche Ziel gesetzt, den Wassernotstand bis zum Jahr 2015 zu halbieren.
Die Wasserspezialisten der
UNICEF
befürchtet jedoch völlig zu Recht, dass Afrika und Asien dieses zentrale Millenniumsziel niemals erreichen werden.
In den kommenden Jahren müssten zum Beispiel alleine dazu über fünfzig Million arme Menschen in Elendsvierteln mit sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen versorgt werden.
Sauberes Wasser sollte kostengünstig für alle Menschen zugänglich sein, auch für Palästinenser.
DRSB
Wir kämpfen seit 21 Jahren mit der Stimme der Demokratie
für
einen modernen Sozialstaat,
sichere, langfristige Arbeitsplätze,
sinnvolle, gerechte und lernfähige Rentensysteme,
sichere, gerechte und leistungsfähige Sozialsysteme,
und für
korruptionsfreie Demokratie in Deutschland und der EU.