DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky • Christian Hindahl • Heinrich Sternemann
Düsseldorf, den 07. September 2009
Mit den Augen hören
Die überzeugende Redekunst ist die hohe Kunst, den Glauben durch Wünsche zum Leben zu erwecken.
Schon
Aristoteles
verfügte über dieses rhetorische Können und Wissen, so dass er in seinem Sinne die Menschen beeinflussen und lenken konnte.
Es kommt deshalb im
„Superwahljahr 2009“
verstärkt darauf an, wie es den deutschen Politikern von den Rednerpulten aus gelingt, die Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen oder sie sogar für ihre Politik zu begeistern.
Seit der unsäglichen Wählerbeschimpfung durch den SPDler
Franz Müntefering
dürften die Deutschen dabei allerdings nicht mehr allzu viel erwarten.
Denn wie wenig sich Politiker an gegebene Wahlversprechen halten, ist in allen Bundesländern hinlänglich bekannt.
Es gibt kaum noch Realitäten, Visionen, oder gar Ideologien, die in emotionalen Reden die Bürger mitreißen könnten.
Die herausragenden Zeiten von brillanten Rednern wie zum Beispiel
Rainer Barzel, Franz - Josef Strauß oder Herbert Wehner
scheinen ohnehin vorbei zu sein.
Sind die Politiker zu pragmatisch geworden?
Was ist eigentlich der Grund für viele laue Reden?
Seit 1989 verfolgt der DRSB e.V. die Wahlkampfauftritte der Spitzenpolitiker aus allen Parteien und analysieren die dadurch erzielten Wirkungen.
Es gibt in allen deutschen Parteien einige Politiker, die aus schlechten Redetexten sehr gute Reden machen - aber es gibt auch so genannte Laien - Rhetoriker, die aus exzellenten Redetexten sehr schlechte Reden machen.
Bundeskanzlerin
Angela Merkel
[ CDU ]
scheint ihrem direkten Herausforderer
Frank - Walter Steinmeier
[ SPD ]
gegenüber derzeit noch überlegen zu sein.
Angela Merkel hat ihre politische „Rolle“ gefunden und erscheint vielen Bürgern in dieser Rolle als glaubwürdig.
Dagegen sucht der SPDler Steinmeier noch seine Rolle als überzeugender Kandidat für das Kanzleramt. Wie die aktuellen Umfragen belegen, ist es ihm bisher nicht gelungen in diese Rolle hineinschlüpfen oder sie sogar auszufüllen.
Man merkt dem SPDler
Frank - Walter Steinmeier
deutlich seine Unsicherheiten in den Reden an, vor allem in der Betonung bestimmter Begriffe und Sätze.
Das „rhetorische Format“ von Ex - Kanzler
Gerhard Schröder
[ SPD ]
haben weder Merkel noch Steinmeier.
Gerhard Schröder ist ein sehr guter Redner, der frei sprechen kann und vor allem durch seine überzeugende Körpersprache glaubhaft wirkte.
Gerhard Schröders
Reden waren inhaltlich klar und bestens gegliedert.
Bedauerlicherweise war es ihm verwehrt, sein rhetorisches Talent nutzmehrend für die deutsche Bevölkerung einzusetzen.
Denn gemäß einer Studie des
Instituts für Demoskopie Allensbach
aus dem Jahr 2006 kommt es bei der Wirkung einer Rede nur zu 22% auf ihren tatsächlichen Inhalt an.
19% wirken Stimme und Gestik auf die Zuhörer ein und satte 59% die Art des Vortragens sowie die Persönlichkeit des Redners.
Wer sich viel im Ausland aufhält und natürlich nicht alle Sprachen dieser Welt beherrschen kann, der lernt im Laufe der Zeit die Fähigkeit
„mit den Augen zu hören“.
Vielen Migranten sowie kleinen Kindern in Deutschland, die zunächst die deutsche Sprache nicht verstehen, geht es ähnlich.
Sie versuchen anhand der Körpersprache festzustellen, ob der Gegenüber ihnen wohl gesonnen ist.
Vielleicht sollten wir wieder von Kindern und Migranten lernen, bevor wir am 27. September 2009 zur Wahlurne schreiten.
Angela Merkel
wirkt live wesentlich besser als auf den Bildschirmen.
Gesicht zu Gesicht gelingt ihr hin und wieder, Bürger zu motivieren und echte Emotionen auszulösen, obwohl ihr rhetorische Format verbesserungswürdig erscheint.
Auch ihre Körpersprache wirkt manchmal antrainiert und lässt das gesprochene Wort, was die Glaubwürdigkeit betrifft, einfach im Regen stehen.
Dieses Defizit kann sie live wesentlich besser ausgleichen als vor der Kamera, wenn die Bilder „ungeschnitten“ über den Bildschirm laufen.
Eine vergleichbare Euphorie wie sie regelmäßig der neue US - Präsident auslöst, wird Angela Merkel aber wahrscheinlich niemals auslösen können.
Frank - Walter Steinmeier wollte zwar bei der Inszenierung des SPD - Wahlprogramms im Berliner Tempodrom den US - Präsidenten Barack Obama kopieren, doch von einer Euphorie - Auslösung ist der SPDler meilenweit entfernt.
Ohnehin ist das Kopieren von Barack Obama äußerst schwierig sowie gefährlich, denn wenn man seine Reden übersetzen und vor einem deutschen Publikum halten würde, hätten die meisten Zuhörer die Chance das Gesagte als inhaltloses
„BLABLA“
zu entlarven.
Die deutsche Bevölkerung erwartet von deutschen Politikern immer noch eine gewisse Ehrlichkeit und Präzision in den Aussagen.
Wie schon Aristoteles
wusste, sagt jede Rede nicht nur etwas über den Redner, sondern auch vor allem über die Zuhörer aus.
Zurzeit benutzen Politiker aus allen Parteien sehr gerne Floskeln mit denen man leicht Allgemeinplätze belegen kann und die ein Festzurren auf das Gesagte nachhaltig verhindern.
Standardisierte Satzteile wie zum Beispiel:
„ Alles hat bei uns höchste Priorität“
„Wir sind gut aufgestellt und bieten Zukunftsperspektiven“,
sind so hohl wie nichtssagend.
Sogar das Wort Visionen taucht in vielen Reden fast schon inflationär auf.
Was sagte Alt - Bundeskanzler Helmut Schmidt über Visionen?
Zitat Auszug:
„Visionen haben nur Propheten oder Geisteskranke“.
Zitat Ende.
Die wahlkämpfenden SPDler ziehen mit den Visionen von der möglichen Entlastung für Geringverdiener und Familien mit Kindern in den Bundestagswahlkampf.
Weiter erzählen sie von Visionen für den Ausbau von Bildung und auf Garantien bei der sozialen Sicherheit.
Den Vermögenden sollen dafür hohe Solidarbeiträge abverlangt werden. Doch es waren doch die Protagonisten der SPD, die die
[ Armuts- ] Agenda 2010
einführten und noch heute daran festhalten und damit immer mehr Bürger in die Flächenarmut treiben.
Auch das so genannte „Heuschreckeneinladungsgesetz“ sowie großzügige „Steuerentlastungen“ für Multikonzerne und Hedgefondsgesellschaften stammen mehrheitlich aus der Feder der SPDler.
Das sind keine Visionen, sondern Tatsachen.
Bevor man sich also für eine Partei entscheidet, sollte man einen tieferen Blick in die Wahlprogramme riskieren, denn dort steht es in den meisten Fällen
„SCHWARZ“ auf „WEISS“,
was die Parteien später in der Regierung gerne umsetzen möchten.
Dabei sind die Kernbereiche
STEUERN, WIRTSCHAFT / VERKEHR,
ARBEIT, BILDUNG, FAMILIE, RENTE, GESUNDHEIT / PFLEGE, UMWELT, INNERES
und besonders die
BUNDESWEHR,
für das nutzmehrende Wohlergehen der Bevölkerung von größter Bedeutung.
Meinungsbildung durch das Lesen der Parteiprogramme sowie das
Hören mit den Augen
kann möglicherweise zu gänzlich anderen Wahlergebnissen führen, als von den Wahlforschern und von den Parteien erwartet wird.
DRSB
Wir kämpfen seit 21 Jahren mit der Stimme der Demokratie
für
einen modernen Sozialstaat,
sichere, langfristige Arbeitsplätze,
sinnvolle, gerechte und lernfähige Rentensysteme,
sichere, gerechte und leistungsfähige Sozialsysteme,
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korruptionsfreie Demokratie in Deutschland und der EU.