DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky • Hans - Josef Leiting • Heinrich Sternemann
Düsseldorf, den 25. Oktober 2009
Das Wort am Sonntag
Summer of Love
Nur Drogenrausch, freie Liebe und Flower - Power?
Als am 28. September 1542 der portugiesische Seefahrer
Juan Rodriguez Cabrillo
als erster Europäer in der Bucht von San Diego landete und damit Kalifornien entdeckte, ahnte niemand welche ereignisreiche Geschichte diesem schönen Landstrich noch bevorstehen würde.
Und als am 09. September 1850 Kalifornien als 31. Staat offiziell in die Vereinigten Staaten von Amerika aufgenommen wurde, ahnte ein gewisser
Levi Strauss
noch nichts von dem Siegeszug der Jeans. Denn der bayerische Staatsbürger wanderte erst 1853 in die USA ein und verkaufte danach die ersten reißfesten Hosen aus derbem Segeltuch.
Wie vieles, das den Siegeszug in Kalifornien begann und nach kurzer Zeit wieder von der Bühne der Welt verschwand, war auch bei den derben Segeltuchhosen nicht abzusehen wie lange sich das Produkt im Markt halten könnte.
Bekanntlich ist „die“ Levi´s
noch heute die Urform der Jeans schlechthin.
Doch die meisten kalifornischen Höhenflüge wurden jäh gestoppt oder konnten den hohen Qualitätsansprüchen auf den Weltmärkten nicht standhalten.
Kalifornien war und ist die Geburtsstätte vieler Ideen und Bewegungen, die kommen und gehen. Nachhaltigkeit ist dabei oftmals Fehlanzeige.
Vor nunmehr 42 Jahren allerdings war das völlig anders, als am 14. Januar 1967 im Golden Gate Park viele tausend Jugendliche an der Veranstaltung von Allen Cohen,
Union of Love and Activism,
teilnahmen. Diese friedliebenden amerikanischen Jugendlichen protestierten während des so genannten
Summer of Love
gegen den Vietnamkrieg, gegen die Brutalität der Behörden und gegen das Spießertum.
Das Zentrum dieser Friedensbewegung lag im Stadtteil von
Haight Ashbury
in San Francisco.
Der friedliche Protest sowie das Ausprobieren von neuen kreativen Lebensformen und der freien Liebe empörte das gesamte amerikanische Establishment. Die Stadtverwaltung und die Regierungen von Kalifornien und in Washington wurde von der Friedenslawine überrollt, so dass heute noch darüber gerätselt wird, wie es zu dem gigantischen Ausmaß dieses legendären Happenings kommen konnte.
„Wir sind hier, um eine bessere Welt zu schaffen“,
war überall in San Francisco und Umgebung zu hören. Zu der Musik von zum Beispiel
Jefferson Airplane
tanzten sich tausende so genannte Hippies in wahre Emanzipationsräusche und versuchten mit Sexorgien und Drogenkonsum „ihre“ neue Welt zu finden.
Von Tag zu Tag mutierte damals das recht biedere San Francisco zum Mekka der antibürgerlichen Bewegung in Amerika.
Wer wirklich frei sein wollte, war da und machte einfach mit.
So kam es, dass innerhalb von elf Monaten die Bevölkerung von
Haight Ashbury
von rund 15000 auf über 100000 Einwohner anwuchs.
Schnell entwickelten sich neue Kunstformen und ein „anderes“ Lebensgefühl. Bedauerlicherweise endete der
Summer of Love
durch den unkontrollierten Zustrom von Möchtegern - Hippies und Drogenjunkies.
Die friedfertige Idee, der Traum vom freien Glück eines sozialen Lebenswandels ohne zwingende Regeln war zu Beginn der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts jäh zu Ende, nachdem die so genannte „Stadtväter“ von San Francisco mit dem Zerstörungsprogramm
RAP
Rehabilitation Assistance Program
zuschlugen und die sozialen Strukturen in
Haight Ashbury
Stück für Stück zerlegten.
Aus der Bewegung
Flower - Power, freie Liebe und friedlichen Antikriegsprotesten
wurde mit der Hilfe von satten Zuschüssen für Renovierungen für die Hausbesitzer innerhalb weniger Monate das Luxusviertel Haight Ashbury aus dem Boden gestampft.
Reihenweise Edelbehausungen für Money - Junkies, das totale „AUS“ für die Friedensbewegung.
Nach den friedliebenden Hippies kamen die geldgeilen Yuppies.
San Francisco
wurde erneut zum anderen Amerika, in dem der Kapitalismus den Pulsschlag bestimmt.
Es begann die Zeit der so genannten
Dotcom - Jungmillionäre,
die im Rahmen von New Economy den Einheimischen das tägliche Leben schwer machte.
Die Mieten für Wohnraum sowie die Preise für Lebensmittel explodierten und sorgten für Wellen von sozialen Katerstimmungen in der Bevölkerung. Denn die Silizium - Yuppies verfügten zwar über reichlich Geld, aber leider auch über reichlich arrogantes Verhalten gegenüber den einfachen Bürgern.
Die Erniedrigung von Dienstleistern war an der Tagesordnung und störte die „neuen“ Herrscher nicht im Geringsten.
Mit dem Zusammenbruch der überhitzten
New Economy - Phase
in der Welt verschwanden die hochnäsigen
Dotcom - Jungmillionäre
Schritt für Schritt aus der Stadt mit der herrlichen Lage am Pazifik.
San Francisco
ist fast schon wieder „normal“ geworden, so dass viele Menschen in der Stadt glücklich darüber sind, dass sie ihre Stadt von den Silizium - Yuppies zurück erobern konnten.
Möglicherweise gelingt es den Freigeistern in der Stadt diesen friedlichen Fleck auf der Erde erneut zum Reservat für friedliche Weltverbesserer zu machen.
Der Atem und der Pulsschlag des literarischen San Francisco scheint ein neues Gefühl freizusetzen, das die Besucher dazu animiert, hier leben zu wollen und die Stadt zum Zentrum experimentierfreudiger Lebensentwürfe zu machen.
San Francisco,
so schwärmen die meisten, ist eine bezaubernde Stadt, der man sich am allerbesten vom Wasser her nähert, um die Romantik und einmalige Topografie zu verstehen.
Leben wie Gott in Frankreich praktiziert in den USA, denn in mehr als 50 Restaurants und Lebensmittelgeschäften werden Austern aus dem Pazifik, Olivenöl und köstliche Pilze, schmackhaftes Biofleisch sowie Biogemüse und Käse aus Marin Country, nahe San Francisco, angeboten.
Ein Eldorado für Feinschmecker oder die, die es werden wollen.
Tour de Gourmet
wäre die richtige Bezeichnung für einen Besuch in dieser Stadt mit der Golden Gate Bridge und einer bewegten Vergangenheit.
Der friedliche
Summer of Love
brachte 1967 mehr als 700000 junge Menschen in diese Stadt am Pazifik und ließ sie für einen Augenblick in der Geschichte vom Frieden für alle Menschen auf der Welt träumen.
Das Interesse am
friedlichen Unbekannten zieht noch heute die Menschen magisch an.
DRSB
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