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DRSB

Deutscher Rentenschutzbund e.V.

Redaktionsteam

Leitung:

Udo Johann Piasetzky Hans - Josef Leiting

Düsseldorf, den 10. Mai 2009

 

Das Wort am Sonntag

 

Die neue Gewissenlosigkeit

 

Vermögende Bürger und reiche Manager orientieren sich offenbar nicht mehr an lokalen Bedürfnissen oder Realitäten.

Sie beziffern ihre Vorteile ausschließlich nur noch in internationalen Kategorien.

Wer etwa, wie früher durchaus üblich, an seinem Heimatort sein Geschäft gründete und Langzeitarbeitsplätze schuf, gilt als ewig Gestriger.

Die neuen Finanzeliten, die ihre Geschäfte global in Städten wie zum Beispiel

Brüssel, Paris, London, Moskau oder New York

abwickeln, meiden in der Regel den direkten Kontakt mit der Politik.

Man möchte viel Geld machen, sich aber nicht in irgendeiner Form an politischen oder gar kollektiven Prozessen beteiligen.

Dadurch verschwindet im Laufe der Zeit jegliche Bindung und vermutlich auch jedes Verpflichtungsgefühl gegenüber der Gesellschaft und der Heimat. Verantwortungsethisch betrachtet lehnen diese transnationalen Finanzeliten Verantwortung für eine Gemeinschaft ohnehin ab, weil solche Sentimentalitäten sehr hinderlich sind, um ihre Profitgedanken störungsfrei zu verfolgen.

Gerne spendet man für notleidende Kinder oder Tiere und lässt sich medienwirksam in Anzeigenkampagnen für den guten Zweck ablichten.

Doch wesentlich mehr wird für das soziale Gewissen nicht getan.

Europäische Demoskopen sowie Eliteforscher beobachten schon seit Jahrzehnten, dass sich immer größere Teile der Wirtschaftseliten vom Rest der Gesellschaft isolieren und völlig abschotten.

Wenn es um die Ausfüllung von Ehrenämtern oder die Übernahme von kollektiver Aufgaben Verantwortung geht, dann wird die gelebte Verantwortung bei dieser Personengruppe kaum noch erkennbar.

Die damit einhergehenden zerstörerischen Kräfte für unsere Gesellschaft wiegen heute schon sehr viel schwerer als die Leistungen, die diese selbsternannten Finanzeliten für das Gemeinwesen erbracht haben.

Die quasi sprichwörtlich „sprühende Arroganz“ der isolierten Politik- und Managerkaste gegenüber dem „Rest“ unserer Gesellschaft hat viele Gesichter und Namen.

Es hat nicht mit

Heinrich von Pierer oder gar Klaus Zumwinkel

angefangen und es wird auch nicht bei ihnen enden.

Das Victory - Zeichen von Deutschbankers Josef Ackermann im Mannesmann - Prozess ist nur die Spitze des Eisberges der Verachtung, die diese Protagonisten des Reichtums der Bevölkerung entgegenbringen.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank

Hilmar Kopper

trat mit seiner Peanuts - Bemerkung schon vor Jahren eine Lawine der moralischen Entrüstung los.

Die hessische Schwarzgeldaffäre der CDU ist ein weiteres Merkmal für die praktizierte Korruption und Steuerhinterziehung in unserem Land.

Der CDUler

Manfred Kanther

jagte zwar als Innenminister jeden Rentner ins Gefängnis, wenn dieser im Supermarkt aus Hunger Lebensmittel stahl, er selbst aber belog die Bevölkerung und versuchte die

CDU - Millionen in den Steueroasen als so genannte

jüdische Vermächtnisse

darzustellen.

Die vorsätzliche Desavouierung und Diskreditierung der jüdischen Mitbürger nahm der CDUler billigend in Kauf.

Der Luxemburger Politiker Jean - Claude Juncker kritisiert zwar seit Jahren die überhöhten Managergehälter und bot ihnen gleichzeitig jahrelang

Finanzasyl

in seinem Heimatland.

So etwas überzeugt genauso wenig die Bürger wie die neusten Mahnungen von

Horst Köhler oder Angela Merkel,

die einfach auf den Volkszug aufspringen wollen und nun ebenfalls die hohen Managergehälter kritisieren.

Denn noch vor einem Jahr interessierte weder Horst Köhler noch Angela Merkel die Millionenverdienste ihrer „Freunde“ aus dem Atlantik - Netzwerk.

So lange völlig skrupellose Spekulanten und waghalsige Abenteuernaturen in den Vorständen der deutschen Banken, Versicherungskonzernen und der Autoindustrie sitzen, wird der Geist des

Casino - Kapitalismus

auch auf den Topetagen der Berliner Politiker überleben können.

Ohnehin machen die Atlantik - Netzwerker in den Parteien und in der deutschen Wirtschaft keinerlei Anstalten die Zweiteilung der deutschen Gesellschaft zu ändern.

Für diese Protagonisten des Egoismus ist es vollkommen normal, dass die einen viel leisten müssen und hoch besteuert werden, während sich die Polit- und Finanzeliten in der Kapitalwelt ungehemmt kuscheln und bedienen dürfen.

Getreu dem neoliberalen FDP - Schlachtruf:

Wenn uns der Staat nicht hilft, müssen wir es eben selbst tun.

Kritische Bevölkerungsteile verfolgen mit großem Interesse, wie breit die institutionelle und personelle Basis der Polit- und Finanzeliten tatsächlich geworden ist.

Dadurch kommt es immer häufiger zu Schließung von sozialen Kreisen, die Fragen nach der Chancengleichheit und nach sozialer Gerechtigkeit stellen.

Dieser Stimmungswandel führte bereits zum Absturz der SPD als Volkspartei und wird höchstwahrscheinlich auch noch in diesem Jahr die CDU / CSU einholen können.

Nicht ohne Grund liebäugelt der FDP - Chef Guido Westerwelle mit einer so genannten

Ampelkoalition.

Denn unterstellt einmal seine Partei könnte lediglich 8% bis 10% der Wählerstimmen ergattern, so würde selbst dieses Wahlergebnis für die FDP nicht ausreichen mit der CDU / CSU ein stabiles Regierungsbündnis zu bilden, wenn gleichzeitig die CDU / CSU bundesweit unter die magische 35% - Marke fallen würde.

Verweigern rund 20% der aktuellen Rentenbezieher und circa 10% der zukünftigen Rentenbezieher Angela Merkel die Gefolgschaft, dann stürzt auch die CDU / CSU als Volkspartei ins Niemandsland.

Selbst die Diskussionen über das völlige Versagen der Polit- und Finanzeliten sind für viele Bürger mediale Strohfeuer zur Ablenkung von den tatsächlichen Problemen und entfalten eher kontraproduktive Wirkung für die CDU / CSU.

Somit wird der aktuelle Elitediskurs zum untrügerischen Indikator für den fatalen Vertrauensverlust in der Bevölkerung.

Wenn also die sechziger und siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts für den wirtschaftlichen Aufbruch stehen, dann markieren die späten achtziger und die neunziger Jahre das dahin schwindende Verantwortungsbewusstsein der deutschen Polit- und Finanzeliten.

Der

Globalisierungswahn, New Economy und die maßlose Gier

haben die gesellschaftliche Verantwortung zur unbedeutenden Nebensache degradiert.

Die Durchlässigkeit der gesellschaftlichen Schichten hat rapide nachgelassen, so dass die Chancen von Kindern aus bildungsfernen Schichten genauso katastrophal sind wie die Chancen der Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Berauscht vom Angekommen sein im Schlaraffenland hat ausgerechnet die

Roller - Blader - Generation von Joschka Fischer

systemdestabilisierend gewirkt und die soziale Ungleichheit in Deutschland massiv gefördert.

Die stetig zunehmenden Absteiger aus der Mittelschicht spüren jetzt diese negative Entwicklung am allerdeutlichsten.

Mit den unheilvollen Reformversuchen der

Armutsagenda 2010

vollzogen Bündnis 90 / Die Grünen sowie natürlich die SPD die Hinwendung zum unaufhaltsamen sozialen Abstieg.

Dem Götzenbild des Neoliberalismus folgte somit die Phase der korporatistischen

Vergewaltigung der Gesellschaft.

Würde man

Charakter, Rechtschaffenheit, Leistungswillen,

und

Gemeinwohl - Orientierung

als Maßstab für die Zugehörigkeit zu einer Elite anlegen, dann hätten die heute Agierenden keinerlei Chancen mehr dazu zugehören.

 

 

             

 

DRSB

 

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