DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky • Andreas Kallen • Hans - Josef Leiting
Düsseldorf, den 08. Februar 2009
Das Wort am Sonntag
2 Euro für eine neue D - Mark
Von der Inflation über die Deflation direkt in die Währungsreform?
Am 21. Juni 1948 löste die Deutsche Mark, im Volksmund noch immer
D - Mark
genannt, in den drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands und drei Tage später auch in den drei Westsektoren Berlins durch die Währungsreform die Reichsmark als gesetzliche Währungseinheit ab.
Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949 blieb die
D - Mark
die verlässliche Währungseinheit in der Bundesrepublik Deutschland und West - Berlins. In der
Deutschen Demokratischen Republik
wurde die harte und heiß begehrte
D - Mark
mit Inkrafttreten der Sozial-, Währungs- und Wirtschaftsunion am 01. Juli 1990 eingeführt. Noch Jahre nach der Einführung des Euro nutzen viele Deutsche die
Deutsche Mark
immer noch als Umrechnungswährung und sehen sie als stärkere Währung als den Euro an, obwohl die
D - Mark
bereits 1999 als reines Buchgeld und 2002 als Bargeld durch den Euro ersetzt wurde. Wie sehr offensichtlich viele Bürger trotzdem an der verlässlichen und beliebten
D - Mark
Hängen, dokumentiert ein Bericht der Bundesbank vom November 2008, nachdem
tatsächlich immer noch fast
14 Milliarden D - Mark
im Umlauf sein sollen.
In diversen D- Mark Sonderverkaufsaktionen des deutschen Einzelhandels wird mit großer Vorliebe mit der alten Währung bezahlt, die in vermutlich verborgenen Ecken regelmäßig gefunden wird. Auf Internetseiten werben Initiativen für eine Wiedereinführung der
D - Mark
und befeuern die
Euro - Teuro - Diskussion
täglich aufs Neue.
Weil zunehmend mehr Bürger das Vertrauen in die Euro - Währung zu verlieren scheinen,
wünschen sich bereits wieder knapp 63% der deutschen Bevölkerung eine Rückkehr zur
stabilen und verlässlichen
D - Mark.
In den Köpfen der meisten Menschen ist der Euro seit nunmehr 7 Jahren nichts anderes als ein unnötiges Finanz - Desaster.
Wie aber kommt es zu solch einer Meinungsbildung?
Mit der EU - Erweiterung kommen immer mehr Staaten aus der ehemaligen Sowjetunion und des Warschauer - Paktes in den Genuss der Euro - Währung.
Für Staaten wie zum Beispiel Lettland, Estland, Litauen, Tschechien, England oder Polen ist die Währungs- und Wirtschaftsunion ein wahrer Segen, denn ohne großartige eigene wirtschaftliche Leistungen zu erbringen, bekommt man reichlich EU - Subventionen und in der Regel auch deutsche Arbeitsplätze frei Haus geliefert.
Zu Zeiten der
D - Mark
mussten diese wirtschaftlichen Schwachmatiker mit ihren eigenen Währungen oder mit US - Dollar Devisen teuer Einkaufen, wenn sie auf Augenhöhe mit der
D - Mark
Geschäfte abwickeln oder deutsche Waren erstehen wollten.
Seit der Euro alles gleich machte, sind die deutschen Bürger die dummen und willfährigen
Zahlhansel der EU.
Steigende Preise und weniger Nettoeinkommen ließen noch vor wenigen Monaten die Inflation auf Trapp kommen, bis die US - Finanzkrise, nach und nach, das Versagen der europäischen und deutschen Banken offen legte.
Nun urplötzlich taucht aus den verborgenen Tiefen der internationalen Währungspolitik ein tot geglaubtes Gespenst auf, die
Deflation.
Wirtschafswissenschaftler, Währungshüter und Banker wissen es genau:
Deflation
herrscht immer dann vor, wenn auf breiter Front die Preise dauerhaft absinken.
Völlig ahnungslose Politiker verkaufen dieses Absinken der Preise sogar noch als ihre eigene Leistung. Denn sinkende Verbraucherpreise, das hört sich aus Sicht der gebeutelten Bürger im ersten Moment sehr gut an. Solange es sich dabei um einzelne Preise und Produkte handelt, ist das vollkommen in Ordnung.
Bei den so genannten Vermögenspreisen passiert das öfter, bei den Verbraucherpreisen dagegen äußerst selten.
Seit einigen Wochen beginnen die Bürger in der EU, ständig fallende Preise für normal zu halten. Viele denken, dass es sich jetzt noch lohnt, Käufe aufzuschieben, weil morgen alles noch billiger wird.
Damit lösen sie einen kumulierenden Prozess aus, der zu einem Einbruch der Nachfrage und zu einem stetigen Anstieg der Arbeitslosigkeit führen wird.
So etwas nennt man auch Deflationsmentalität.
Der deflationäre Rückgang der Vermögenspreise und des Verbraucherpreisniveaus stehen aber im direkten Zusammenhang, wobei der Verfall von
Aktienkursen, Rohstoffpreisen und Immobilienpreisen
in der Kausalkette typischerweise einen Vorlauf vor den Verbraucherpreisen hat.
Nicht nur Deutschlands Wirtschaft befindet sich nach einer Periode übermäßiger
( Staats ) - Verschuldung, überhöhter Assetpreise mitten in einem so genannten turbulenten
Deleveragingprozess.
Ganz plötzlich hat man es mit einer gefährlichen Deflation zu tun. Es gibt einige Anzeichen dafür, dass Europa eine neue Deflationsphase bevorsteht. In einer solch prekären Situation wäre sinnvoller Weise konsequenter, rasanter
Schuldenabbau
das Gebot der Stunde. Je länger also die Phase der Wachstumsschwäche anhalten wird, desto höher steigt die Wahrscheinlichkeit einer anhaltenden
Deflation.
Die seriösen Wirtschaftswissenschaftler sind sich darüber einig, dass die globale Rezession begonnen hat und auch im Jahr 2010 noch anhalten wird.
Die heftigsten Angstattacken haben deshalb zurzeit die Notenbanker vor einer Deflation. Sie machen sich schon einmal mit dem Gedanken vertraut, dass das Preisniveau für eine Weile rapide fällt. Nur finden sie kein probates Gegenmittel, damit es nicht zu einer ausgewachsenen Deflation kommen kann. Aus diesen Befürchtungen heraus haben die Zentralbanken der
USA, der Schweiz, Großbritanniens und Japans
bereits ihr Zinsniveau extrem aggressiv abgesenkt und wollen, wenn nötig, in die Richtung auf Null zufahren.
Dadurch liegen diese Staaten bereits weit unter den brandgefährlichen Inflationsraten. Selbst die sehr hohen Währungsreserven und Sparquoten, erweisen sie sich als anfälliger als gedacht, weil zum Beispiel die amerikanischen
Verschuldungsexzesse
zum Verfall der Vermögenspreise zwingen und mit aller Macht Ausgaben zu reduzieren wären.
Gefährliche Phasen von stark ausgeprägten
Deflationen
gab es in der Wirtschaftsgeschichte schon viele.
In den Jahren von 1870 bis 1879 ging das Preisniveau in den USA um 30% zurück und in den Jahren von 1929 bis 1933 waren es immerhin noch erschreckende 24,4%.
Damals brachen auch in Deutschland im weiteren Verlauf der Weltwirtschaftskrise die Verbraucherpreise ein. In den Jahren von 1929 bis 1933 durchschnittlich um 23%.
Im Jahr 1994 wurde Japan von einer Deflationswelle überrollt, die wie ein lähmender Schock wirkte und noch heute ihre Auswirkungen zeigt.
Der japanische
Deflationsverlauf
zeigt, dass selbst leistungsstarke Industrienationen erhebliche Schwierigkeiten haben, solch komplexe Prozessabläufe wieder in den Griff zu kriegen. Die Schwellenländer und neuen EU - Mitglieder fallen daher in der anstehenden Krisesituation komplett aus und müssen höchstwahrscheinlich sogar von Deutschland durchgefüttert werden.
Selbst Schweizer Banker wie zum Beispiel der vermutlich fälschlicherweise noch immer hochgelobte
Josef Ackermann
können die Gefahren einschätzen, was man von den verantwortlichen Politikern nicht behaupten kann, die das Szenario noch immer auf die leichte Schulter nehmen.
Denn von heute an wird auch die Arbeitslosigkeit sehr stark ansteigen, obwohl
Verantwortungsbewusste mittelständische Unternehmen noch an ihren qualifizierten Arbeitskräften festgehalten haben, was gleichzeitig zu einem ungewöhnlich starken Rückgang der Produktivität geführt hat.
Die stetig abnehmenden Orderbücher zwingen zu drastischen Maßnahmen, also zu Entlassungen im großen Stil.
Deutschland
war verglichen mit den USA, Großbritannien, Italien, Spanien und natürlich Frankreich quasi eine Insel der
Glückseligen.
Bedingt durch das totale Versagen der Berliner Politiker hat sich die Lage aber dramatisch verändert.
Man muss also realistisch von einer ausgewachsenen
Deflationphase
ausgehen, die Europa und Deutschland in den kommenden Wochen erfassen wird.
Auf vielen Märkten haben inzwischen Preiskriege begonnen, weil Unternehmen verzweifelt versuchen, ihre Kosten durch eine bessere Auslastung der Kapazitäten zu senken.
Deutschland steht hier gerade erst einmal am Anfang.
Im Euroland und dem Rest der Welt sieht es noch wesentlich trüber aus, vor allem weil die
Deleveragingprozesse,
( >Deleveraging ist ein Vorgang der Aufnahme von Eigenkapital zum Zweck der Substitution von Fremdkapital )
also der forcierte Abbau von Schulden, in Frankreich oder gar in Großbritannien noch eine viel größere Rolle spielen werden.
Viele ahnungslose und von Fachwissen befreite Politiker setzen augenblicklich verstärkt darauf, dass die USA wegen der gewaltigen Konjunkturprogramme und der Rettungsaktionen für den Finanzsektor schon früher als das Euroland die konjunkturelle Wende schaffen werden.
Wie groß wird da die Enttäuschung werden,
wenn in den USA eine Währungsreform ins Haus steht?
Denn die expansivere Geldpolitik Washingtons kann die Versorgung der amerikanischen Wirtschaft mit Liquidität nicht sicherstellen.
Und aus Europa und Deutschland kann kein Geld mehr fließen.
Ohne ausreichende Liquidität können aber die US - Krisen nicht überwunden werden, ob das aber, etwas an den Problemen der Überschuldung und der Risikoscheu der Banken ändern wird, können selbst die DRSB - Fachleute schwerlich einschätzen.
Es wird somit täglich unwahrscheinlicher, dass die Fed die Welt noch einmal vor einer ausgewaschenen
Deflationphase
bewahren kann.
Denn die US - Zinsen, die so genannte
effektive Fed Funds Rate
ist bereits schon bei Null angekommen, so dass die Fed daher die nächste Waffe herausholen und die Überflutung des Marktes mit Zentralbankgeld ankurbeln wird.
Die Gelddruckerei, die dann international in Gang gesetzt wird, erfordert wesentlich drastischere Maßnahmen.
Da von einer
Deflation
die entgegengesetzten Effekte ausgehen wie von einer Inflation, werden zu erst einmal Schuldner benachteiligt, da ihre über Kredite finanzierten Sachgüter an Wert verlieren und sie aber nach wie vor den gleichen festgesetzten monetären Werte begleichen müssen.
Dagegen profitieren Gläubiger von einer Deflation, da ihr eingesetztes Kapital zinsbereinigt einen höheren Wert bekommt als zu Anfang der Periode.
Letztendlich entscheidet die Zeitspanne und Auswirkung der
Deflationsspirale
darüber, inwieweit sich das währungspolitische Szenario zur nächsten Währungsreform auswachsen kann.
Möglicherweise führt dann das
Versagen von Politikern und Bankmanagern
wieder zur Einführung der neuen
D- Mark,
die dann zum „Vorzugs - Kurs“ von
2 Euro für eine neue D - Mark
umgetauscht werden darf.
DRSB
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