DRSB
Deutscher Rentenschutzbund e.V.
Redaktionsteam
Leitung:
Udo Johann Piasetzky • Heinrich Sternemann • Hans - Josef Leiting
Düsseldorf, den 07. Juni 2009
Das Wort am Sonntag
Unkenntnis schützt nicht vor Strafe
Es gibt Dinge im Leben der Deutschen, von denen wir glauben, sie ganz sicher zu wissen.
Das Automobil wurde in Deutschland erfunden und ist fest verbunden mit den Namen
Daimler und Benz.
Der erste richtig funktionierende Computer wurde von
Konrad Zuse
gebaut und der Erfinder des Buchdrucks ist natürlich
Johannes Gutenberg.
Johannes Gutenberg?
Es wird die deutsche Seele äußerst unangenehm berühren, aber die Chinesen waren bereits 900 Jahre nach Christus in der Lage Bücher zu drucken. Manchmal täuscht uns unser Wissen, so dass wir überrascht sind, wenn wir die Wahrheit erfahren müssen.
Ignoranz, Überheblichkeit und der Mangel an Informationen lassen oftmals diffuse Bilder von tatsächlichen Vorgängen in der Welt entstehen.
Ob nun Hersteller oder Verbraucher von Produkten, wir werden die schon heute bestehenden Auswirkungen der Globalisierung noch deutlicher zu spüren bekommen.
Welcher Europäer vermutet, dass weltweit bereits jede zweite verkaufte Kamera oder jedes vierte Fernsehgerät aus chinesischer Produktion stammt?
Außer ein paar Wirtschaftswissenschaftlern an deutschen Universitäten und den direkt betroffenen Managern weiß dies eigentlich kaum jemand.
Fröhlich und unbeschwert betreiben Politiker und Manager, quasi Hand in Hand, noch immer die von amerikanischen Beratungsunternehmen so warm empfohlene
De - Industrialisierung
und dadurch gleichzeitig die
Massenarbeitslosigkeit.
Anstatt die Globalisierung zum Vorteil zu nutzen und aus den Fehlern der Japaner und der Amerikaner zu lernen, verstärken die deutschen Manager mit der Hilfe der Politik und der Medien diese schädliche Fehlentwicklung noch.
Seit der Machtübernahme von
Deng Xiaoping
im Jahre 1978 trimmen die politischen Kräfte in China ihr Land auf Reformkurs in die Richtung des westlichen Kapitalismus.
Die Schnelligkeit dieser
wirtschaftlichen Aufholjagd ist einfach atemberaubend.
Wie das asiatische Spezial - Rechercheteam des DRSB e.V. berichtet, lebten noch Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts mehr als 300 Millionen Chinesen in der UNO - Kategorie
„extreme Armut“.
Im Eiltempo holen die Chinesen den wirtschaftlichen Vorsprung der westlichen Industrienationen auf und haben aktuell nur noch circa 25 Millionen Bürger in der
UNO - Kategorie
„extreme Armut“.
Eine gigantische Leistung von Politik und Wirtschaft, die aber seit 2007 durch den schwächelnden US - Dollar sowie seit 2008 durch die US - Finanz- und Wirtschaftskrise eingebremst wird.
Aufhalten kann das amerikanische Ungemach die Wirtschaftsexplosion in China nicht, obwohl sich die chinesischen Manager und Banker völlig darüber im Klaren sind, dass sie die amerikanische Währung zurzeit eigentlich viel besser zum Tapezieren oder als Toilettenpapier - Ersatz einsetzen sollten.
Ein klarer Fall also von Globalisierungsverlust.
Die Topleute in Banken und Industrie schalten deshalb auf den Euro um. Unter vorgehaltener Hand erzählt man aber immer häufiger, nicht nur in
Beijing
[ Peking ],
dass es noch besser sein könnte, wenn man eine eigene asiatische Währungskonföderation gestalten würde.
Es sind eben nicht nur Kameras, Fernsehgeräte, Textilien oder billige Schuhe, die in China massenhaft produziert werden, sondern zunehmend auch Automobile, Computer und extrem kostengünstige Mobiltelefone.
Dadurch erreicht die sehr angespannte Energiesituation eine geopolitische Dimension zum Fürchten.
China ist zurzeit zwar „nur“ der zweitgrößte Energieverbraucher weltweit, wird aber voraussichtlich bereits im kommenden Jahr zum „Größten“ aufsteigen.
Man fördert weltweit geschätzte 45% der Steinkohle und setzt diese fossile Energiequelle hemmungslos zur Energiegewinnung ein.
Nicht nur dadurch verseucht China kontinuierlich die westlichen Gebiete der USA.
Es gibt zwar einige wenige Umweltschützer, aber in Zeiten des chinesischen Wirtschaftswunders werden diese Grünen - Protagonisten eher gezielt behindert und sogar in einigen Regionen ständig tätlich angegriffen und verfolgt.
Wer kann das den Chinesen verdenken?
Denn auch in Deutschland gab es zu den Zeiten des
Wirtschaftswunders
keine Grünen - Aktivisten. Vermutlich wären sie damals im Ruhrgebiet oder im Saarland auf völliges Unverständnis gestoßen.
Was Anfang des 20. Jahrhunderts in amerikanischen oder europäischen Industriezentren an Umweltsünden geschah, wiederholt sich zurzeit in China.
Die Schattenseiten des Fortschritts entwickeln ihre zerstörerischen Kräfte, denn seit 1990 ist Chinas Wirtschaft zwölfmal schneller gewachsen als die deutsche.
Wirtschaftswachstum gegen Umweltschutz.
Das Dilemma könnte nicht größer sein, denn China verfügt nur über doppelt soviel Ackerfläche pro Kopf, wie zum Beispiel der Wüstenstaat Ägypten.
Die stetig ansteigende Wasserknappheit im Norden Chinas wird durch die Verschmutzung der Flüsse Tag für Tag überproportional verschärft.
Heute schon haben rund 30% der Bevölkerung keinerlei Zugang mehr zu sauberem Trinkwasser.
Zwei Milliarden Tonnen Kohle verbraucht China jetzt schon pro Jahr und verschmutzt durch die Verbrennung kräftig die Luft.
Bis zum Jahr 2015 sind circa weitere 570 neue Kohlekraftwerke geplant.
Der nimmer satte Energiehunger will eben gestillt werden.
Damit verstoßen die Chinesen nicht einmal gegen das Klimaprotokoll von Kyoto. China hat im Gegensatz zu den USA das Kyoto - Protokoll ratifiziert und muss sich als so genanntes
„Entwicklungsland“
nicht zur Reduktion der Treibhausgase verpflichten.
Trotzdem möchten die USA den Chinesen Vorschriften zur Reduzierung machen. Doch wer will der aufstrebenden Militär- und Wirtschaftsmacht Einschränkungen verordnen?
Gerne würden die Mächtigen in Washington nach dem „alten“ lateinischen Spruch verfahren:
„Quod licet jovi, non licet bovi“.
[ Was Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen noch lange nicht erlaubt ].
Dazu hat US - Präsident Obama nur noch in schönen Sontags- oder Hoffnungsreden die Kraft.
Ansonsten fehlen den Amerikanern der Mut und die Kraft, die schwierige Lage offen anzusprechen. Denn was heute in der chinesischen Wirtschaft zählt, ist genauso wie in den USA, der schnelle Profit ohne Rücksicht auf Verluste.
Das chinesische Zauberwort zur Beruhigung der Amerikaner heißt wie bei BMW in Deutschland
„Energie Effizienz“.
Klingt gut, nützt wenig, denn die nationale Umweltbehörde SEPA legt dazu jedes Jahr neue „tolle“ Konzepte vor.
Bedauerlicherweise ignoriert die chinesische Industrie diese Umweltbestrebungen völlig. Ein Nachfolgeabkommen zu Kyoto erscheint deshalb als ein sinnloses Unterfangen, da sich der größte
Kohlendioxid - Emittent
der Erde als so genanntes „Entwicklungsland“ an keine Obergrenzen halten muss.
Rein historisch betrachtet trägt China nicht die Schuld am Klimawandel, sondern die traditionellen Industrienationen in Westeuropa und auf dem amerikanischen Kontinent.
Noch heute ist in vielen amerikanischen Fabriken der Begriff
„Umweltschutz“
vollkommen unbekannt oder wird, genauso wie in China, mit aller Macht verdrängt.
Ohnehin wird das politische sowie das wirtschaftliche Verhältnis zwischen China und den USA in den kommenden Jahrzehnten die Welt in dominierend Atem halten.
Quasi nach dem Motto:
„Absaufende Imperialmacht trifft auf neuen Machtfaktor“.
Diese zu erwartenden Herausforderungen und Folgen sind Vielen in Westeuropa, insbesondere in Deutschland nicht bewusst, obwohl unsere Bevölkerung und hier ganz besonders die aktuellen und zukünftigen Rentenbezieher von diesen Veränderungen direkt abhängig sein werden.
Vielmehr glauben die amerikafixierten Politiker und Manager in unserem Land, dass die weltverändernden Entwicklungen von den USA ausgehen oder gar dort staatfinden.
Was das nutzlose, sinnlose
Geldverbrennen sowie die ständigen Wirtschaftsdesaster
anbetrifft, mag dieser Glauben der Amerikafixierten zutreffen, ansonsten handelt es sich um einen Irrglauben.
Unkenntnis schützt nun einmal nicht vor Strafe
und mangelnde Information sollte keinen Grund bieten
für stetig fehlgeleitete Euphorie.
DRSB
Wir kämpfen seit 21 Jahren mit der Stimme der Demokratie
für
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sichere, gerechte und leistungsfähige Sozialsysteme,
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