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DRSB

Deutscher Rentenschutzbund e.V.

Redaktionsteam

Leitung:

Udo Johann Piasetzky · Andreas Kallen · Hans - Josef Leiting

Düsseldorf, den 09. November 2008

 

Das Wort am Sonntag

Pfeifen im dunklen Wald - Hat Amerika fertig“?

 

 

Wie sagte der ehemalige italienische Fußballtrainer von Bayern München,

Giovanni Trappatoni,

in seiner legendären Wutrede:

Ich habe fertig“!

Die meisten Europäer glauben nach den US - Finanzdesastern und der US - Wahl schon heute:

Amerika hat fertig“.

Da hilft selbst pfeifen im dunklen Wald nicht mehr, wie es gerne kleine Kinder praktizieren, um aufkommende Angst zu vertreiben. Die nahezu überschwänglich euphorischen Medienberichte über die US - Wahl sowie das Interview des

Ex - US - Diplomaten und heutigen Harvard - Politiklehrer

Nicholas Burns

in der Financial Times Deutschland am 20. Oktober 2008 erwecken und hinterlassen den gleichen Eindruck.

Zitat von Nicholas Burns aus der FTD vom 20. Oktober 2008:

Ein neuer Präsident könnte mit einer Initiative zur Bekämpfung des Klimawandels zeigen, dass Amerika bereit ist, auf andere zuzugehen.

Amerika muss verstehen,

dass man auch führen kann, indem man kooperiert und zuhört.

Barack Obama hat gute Voraussetzungen, um diese Rolle zu spielen.

Zitat Ende.

Burns übersieht dabei völlig, dass die USA mittlerweile in eine Entwicklungsphase verschärfter Widersprüche eingetreten sind, in der steil ansteigende

Armut, Kriminalität und wirtschaftliches Versagen

zur Tagesordnung gehören.

Krisen und Dekadenz der Gegenwart, autoritärer Staat, dubiose Politikansätze, desorientierte militärische Führung, der latente Bürgerwunsch nach grundlegender Neuordnung und die Visionen des neuen US - Präsidenten; alles findet sich hier miteinander in fragwürdiger Weise verwoben. Sein Sendungsbewusstsein ist womöglich durchaus der Verrücktheit benachbart. Nahezu bewunderungswürdig ist auch das

machiavellistische Bestreben

die wirren gesellschaftlichen Strömungen in Abgrenzungskorridoren „isoliert „ zusammen führen zu wollen. In den USA sind bekanntlich andere institutionelle und geschichtliche Voraussetzungen gegeben. Denn seitdem General Washington zum ersten US - Präsidenten gewählt wurde, betrachtet es die breite Öffentlichkeit nicht als unschicklich, wenn Visionäre, Prediger, Schauspieler oder siegreiche Kriegshelden sich um das höchste Staatsamt bewerben.

 

Betrachtet man beispielsweise den deutschen Reichskanzler

Heinrich Brüning

in den kritischen Jahren von 1930 bis 1932, so weiß man heute, dass die Zukunft eines Rechtsstaates, einer pluralistischen Gesellschaft, ja überhaupt das Überleben der Zivilisiertheit in Deutschland damals sehr davon abhing, inwieweit sich der Reichskanzler in unsicheren wirtschaftlichen Gefilden durchsetzen und die Bürger überzeugen konnte. Das negative Ergebnis ist allgemein bekannt und geschichtlich umfassend dokumentiert. Genauso gilt auch das Spiegelverkehrte, denn wenn sich hervorragende politische Talente manifestieren und gleichzeitig wirtschaftliche Krisen aufgrund glücklicher Umstände auflösen sollten, können auch absteigende, instabile  Volkswirtschaften wieder stabilisiert werden.

 

Zusammen mit dem säkularen Ringen zwischen den wirtschaftlich nutzbringenden, sinnvollen Systemen und der echten Demokratie in den USA wird im 21. Jahrhundert noch ein weiteres Stück auf der Weltbühne aufgeführt:

Der Niedergang der amerikanischen Imperialmacht“.

Denn das Abenteuer der Weltherrschaft ist zu Ende und die USA werden zu sich selbst zurückkehren, stets nervös bemüht sein, die nachimperiale Zukunft auf ihrem Kontinent zu organisieren. So oder ähnlich könnte man den Mutationsvorgang skizzieren, in dem die letzten Dramen des imperialen amerikanischen Zeitalters zu Ende gehen werden.

 

Dabei ist aus heutiger Sicht erstaunlich das hybride Selbstbewusstsein, mit dem die amerikanischen Eliten noch immer versuchen, die Welt zu dominieren und ihre gescheiterte imperialistische Ausbreitung voranzutreiben. Möglicherweise ist es die Überzeugtheit von den recht unterschiedlichen US - Vorstellungen des Christentums oder auch die jahrzehntelange trügerische Gewöhnung an die vermeintliche Leistungsfähigkeit ihrer Wirtschaft. Ganz sicher ist es aber der unerschütterliche Glaube an die unwiderstehliche US - Militärtechnologie gepaart mit dem kaltschnäuzigen Egoismus der allgemeinen Überlegenheit ihrer sonstigen Systeme. Auch die Einstellung zum möglichen Entstehen von neuen Imperien ist in den USA extrem unterentwickelt.

Ein solches Denken wird in Washington einfach ausgeblendet.

Der politischen und wirtschaftlichen Schwächung ist übrigens eine längere Phase des Verdrängens vorangegangen, die oft beschrieben worden ist. Schon seit 1945 und erst recht im Nachhinein haben kritische Beobachter in zahlreichen publizistischen Formaten, Vorahnungen des Niedergangs, der Dekadenz und der Selbstzerstörung in den USA aufgespürt. Es fehlt somit auch nicht an ausreichend vielen amerikanischen und außeramerikanischen Propheten des imperialen Niedergangs. Diese Entwicklung hat nichts mit dem oft beschrieenen Antiamerikanismus zu tun, sondern basiert auf Analysen und sachlichen Einschätzungen der politischen Vorgänge. Es nützt also wenig vor den Fakten und Tatsachen die Augen zu verschließen. 

  

Wie stets kann man nun recht lange darüber streiten und philosophieren, welches Gewicht solchen und anderen Diagnosen des Niedergangs der USA zukommt. Das alles kann hier nur angedeutet werden. Für die imperiale Machtstellung der USA bedeutet jedenfalls der 2. Irakkrieg die eigentliche politische Wendemarke. Die nicht enden wollende amerikanische Katastrophenpolitik hat in vielen Ländern zu einer Immunisierung und Ablehnung geführt, die die vermeintliche politische Strahlkraft von Washington zum Erlöschen brachte.

 

Die fehlgeleiteten Visionen von der Gemeinschaft der Demokratien nach dem

US - Muster, das völlig untaugliche Wirtschaftskonzept von monolateraler Wohlstandsmehrung sowie das ständige Ausbeuten der Partner führt nun auf direktem Wege zum Scheitern der angestrebten

Pax Americana.

Verschärfend kommt hinzu, dass das asiatische Jahrhundert bereits begonnen hat und sich China und Indien, mit enormer wirtschaftlicher Dynamik, auf den Weg machen, das neue Zentrum der Weltwirtschaft zu werden. Zusammen mit Russland prägen diese Giganten zukünftig die Welt. Im Sog dieser Giganten bilden sich auch in Europa gravierende Zentrifugalkräfte, die die Schaffung neuer aufrichtiger und echter Partnerschaften fördern können sollte.

 

Pfeifen im dunklen Wald sowie extrem pro - amerikanische Berichterstattungen in fast allen Medien werden diesen Prozess nicht aufhalten können, denn schon Napoleon Bonaparte prophezeite:

Wenn China erwacht, erbebt die Welt“.

Rund 200 Jahre später ist seine Vorhersage Wirklichkeit geworden.

 

             

 

 

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